Hitze im Sommer und Equines Asthma beim Pferd

Hitze im Sommer und Equines Asthma beim Pferd: Das sollten Sie beachten!

Wenn die Temperaturen nach oben klettern, brauchen nicht nur wir Menschen einen Platz im Schatten. Doch nicht nur für uns stellt die Hitze eine körperliche Herausforderung dar. Auch unsere Pferde sind nicht für die Hitzeextreme im Sommer gemacht, wie sie uns immer häufiger begegnen. Wenn Ihr Pferd an Equinem Asthma leidet, sollten Sie besonders aufmerksam sein.

Die Wohlfühltemperatur eines Pferdes, das heißt die Temperatur, bei der der Organismus am besten funktioniert, liegt zwischen 5° und 10°. Zwischen – 15° und 20° liegt die thermoneutrale Zone. Diese ist individuell abhängig von Alter, Konstitution und Rasse und variiert daher ein wenig. Doch grundsätzlich ist dieser Temperaturbereich der Wohlfühltemperaturbereich des Pferdeorganismus.

Genau wie wir Menschen auch hat der Pferdekörper einige schlaue Mechanismen, mit denen er seine Körpertemperatur konstant halten kann. Wird es zu warm, wird Wärme abgegeben. Wird es zu kalt, muss er sich aufwärmen. Dieser Prozess nennt sich Thermoregulation.

Thermoregulation: So kühlen Pferde sich ab

Wenn die Thermorezeptoren Wärme registrieren, gibt es folgende Befehle an den Pferdekörper: Schwitzen, Gefäße weiten, Futteraufnahme stoppen und Atmung erhöhen.

Schwitzen

Durch das Verdunsten der Feuchtigkeit auf dem Körper wird diesem Wärme entzogen.

Gefäßerweiterung

Die Blutgefäße weiten sich, das Blut fließt schneller und es wird mehr Wärme abgegeben. Gleichzeitig sinkt der Blutdruck.

Futteraufnahme stoppen

Fressen erzeugt Wärme – ein Grund, warum Pferde im Winter, wenn es kalt ist, vermehrt Fressen. Im Sommer aber, wenn es ohnehin schon sehr heiß ist, ist dieser Nebeneffekt der Futteraufnahme unerwünscht. Darum stellen Pferde das Fressen ein.

Atmung erhöhen

Pferde geben über ihre Atmung Wärme ab. Dafür wird unter anderem die Atemfrequenz erhöht. Und dies ist für Pferde mit Atemwegsbeschwerden wie Equinem Asthma oftmals problematisch.

Atemwegsprobleme und Hitze

Pferde mit Atemwegsproblemen wie Equinem Asthma oder Allergie haben eine eingeschränkte Lungenfunktion.

Über die Alveolen der Lunge wird der eingeatmete Sauerstoff an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin abgegeben. Dieser Sauerstofftransport von der Lunge ins Blut und von dort zur Muskulatur spielt für die Leistungsfähigkeit eine wichtige Rolle. Je besser der Körper mit Sauerstoff versorgt ist, desto Leistungsfähiger ist das Pferd.

Sind aber nun Alveolen zerstört, ist der Gasaustausch eingeschränkt und der Körper wird schlechter mit Sauerstoff versorgt. Es kann zu Atemnot kommen – ganz besonders dann, wenn das Pferd Leistung erbringen soll. Um den Körper dennoch mit ausreichend Sauerstoff versorgen zu können, muss also die Atemfrequenz erhöht werden.

Hat ein Pferd also aufgrund von Equinem Asthma eine eingeschränkte Lungenfunktion und ohnehin schon eine erhöhte Atemfrequenz, kann sich dies bei Hitze noch weiter verstärken. Das führt dann dazu, dass Pferde anfangen zu „pumpen“ und sehr schlapp und in ihrer Leistung eingeschränkt sind.

Gleichzeitig besteht die Gefahr einer Überhitzung, weil erkrankte Pferde durch ihre Kurzatmigkeit weniger Wärme über die Atmung abgegeben können. Daher sollten Sie insbesondere bei einem Pferd mit Atemwegsproblemen darauf achten, dass es ausreichend Hitzeschutz bekommt.

Hitze im Sommer und Atemwegsprobleme beim Pferd: 6 Tipps

Hitzeschutz für Pferde: 6 Tipps für warme Tage

Um Pferden an sehr heißen Tagen ausreichend Schutz zu bieten, haben wir für Sie einige Tipps zusammengestellt.

Tipp 1: Schattenplätze anbieten

Bieten Sie Ihrem Pferd unbedingt ausreichend Schattenplätze an. Dies gilt insbesondere für Pferde im Offenstall und auf der Weide. Neben Bäumen, hohen Büschen und Unterständen bieten sich auch Sonnensegel an.

Tipp 2: Weidezeit anpassen

In der Regel sind auf Wiesen nur wenig Bäume vorhanden. Wenn kein Schattenplatz in Form von Sonnensegeln oder Unterständen installiert werden kann, sollte unbedingt die Weidezeit angepasst werden, sodass Ihr Pferd nicht in der prallen Mittags- und Nachmittagssonne auf die Wiese geht, sondern idealerweise nachts oder am frühen Morgen.

Tipp 3: Kühles Wasser

Ausreichend Wasser ist wichtig – dies gilt an heißen Tagen umso mehr. Doch Wasser in kleineren Kübeln oder im Wasserwagen, der in der prallen Sonne steht, wird schnell warm. Achten Sie daher darauf, dass Sie Ihrem Pferd ausreichend kühles Wasser zur Verfügung stellen.

Ob Ihr Pferd genug trinkt erkennen Sie am Hautfaltentest: Hierfür nehmen Sie im Halsbereich des Pferdes die Haut mit Daumen und Zeigefinger hoch und beobachten beim Loslassen, wie lang es dauert, bis die Haut wieder eng anliegt. Dauert dies länger, ist Ihr Pferd dehydriert und benötigt dringend Flüssigkeit.

Tipp 4: Trainingszeit anpassen

Vermeiden Sie auf jeden Fall das Training in Mittags- und Nachmittagshitze und wählen Sie die kühleren Morgen- und Abendstunden, um Ihr Pferd zu bewegen. Hat Ihr Pferd sichtbar Probleme mit der Atmung, verzichten Sie auf das Training. Bewegung ist wichtig für die Lungenfunktion. Doch bekommt Ihr Pferd schlecht Luft und ist die Sauerstoffversorgung eingeschränkt, tun Sie Ihrem Pferd absolut keinen Gefallen.

„Es braucht nur 17 Minuten Training mit moderater Intensität bei heißem, feuchtem Wetter, um die Temperatur eines Pferdes auf ein gefährliches Niveau zu bringen. Das ist drei- bis zehnmal schneller als beim Menschen. Pferde spüren die Hitze viel schlimmer als wir.“

Prof. Michael Lindinger, Tier- und Bewegungsphysiologe an der University of Guelph; Quelle: When the Rider is Hot, the Horse is Hotter – U of G News (uoguelph.ca)

Tipp 5: Abkühlen mit Wasser

Um dem Pferdekörper die Abkühlung zu erleichtern, können Sie Ihr Pferd auch mit Wasser abspritzen. Nutzen Sie hierfür aber kein eiskaltes, sondern lieber lauwarmes Wasser. Das Verdunsten der Flüssigkeit auf der Haut hat bereits einen kühlenden Effekt. Duschen Sie vor allem die großen Muskeln des Pferdes ab – Hals, Schulter, Kruppe. Hier ist der Effekt größer. Sie müssen Ihr Pferd auch nicht mit dem Schlauch abduschen, ein dicker, nasser Schwamm und ein Eimer Wasser tun es auch. Sie können auch Pferdedecken befeuchten und auf den Körper legen. Achten Sie nur unbedingt darauf, dass diese auch einen kühlenden Effekt haben und Ihr Pferd nicht anfängt noch mehr zu schwitzen.

Tipp 6: Inhalieren für mehr Luft

Um Ihrem Pferd das Atmen zu erleichtern, ist es sinnvoll, es vor allem an den heißen Tagen inhalieren zu lassen. Die Rauminhalation in Kombination mit ionisiertem Sauerstoff hilft dabei, einen möglichen Sauerstoffdefizit im Körper auszugleichen. Auf unserer Kundenübersichtsseite finden Sie Anbieter in Deutschland, Österreich und der Schweiz und ganz sicher ist auch jemand aus Ihrer Nähe dabei.

Darüber hinaus sollten Sie auf eine ausreichende Mineralisierung achten, denn durch das Schwitzen verliert der Pferdekörper Salz. Bieten Sie unbedingt einen Salzleckstein an.

Quellen:

Unabhängig geprüft
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