TCM für Pferde mit Atemwegsbeschwerden

TCM für Pferde mit Atemwegsbeschwerden: So kann die Traditionelle Chinesische Medizin unterstützend eingesetzt werden

Die Traditionelle Chinesische Medizin erfreut sich im Veterinärbereich stetig größerer Beliebtheit. Und das zurecht, schließlich hat das aus China stammende Heilverfahren eine Jahrtausende alte Tradition. Auch im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen bei Pferden und Soleinhalation wird gern auf Techniken der TCM zurückgegriffen.

Unsere Kundin Isabelle Zimmermann von Chevalbelle aus Iggingen in Baden-Württemberg setzt bei hustenden Pferden erfolgreich auf eine Kombination aus Inhalation und TCM. Was hinter TCM steckt und warum beides für sie so gut zusammenpasst, erzählt sie uns im Interview.

Karolina, Team JSR: Wofür steht TCM und welche Behandlungsmethoden zählen dazu?

Isabelle Zimmermann: „TCM ist die Kurzform für Traditionelle Chinesische Medizin, ein Zusammenspiel alternativer Heilverfahren, welche vor allem in China Jahrtausende alte Traditionen vorweisen können. Die Traditionelle Chinesische Medizin basiert auf dem Grundsatz, dass Gesundheit den gleichmäßigen Fluss von Qi durch den Körper bedeutet. Qi ist eine Art Lebensenergie, die auf bestimmten Leitbahnen, den Meridianen, durch den Körper fließt. Dabei ist jedes Organ einem bestimmten Meridian zugeordnet. Äußerliche Reize (durch Umwelt und Klima) sowie innerliche Reize (durch Emotionen) können dieses energetische Gleichgewicht stören, Stagnationen oder Blockaden des Energieflusses hervorrufen und somit zu Krankheiten führen.

Energetische Dysbalancen erkennen und harmonisieren

Als TCM-Therapeutin ist mein Ziel, energetische Dysbalancen rechtzeitig zu erkennen und zu harmonisieren und so den Körper zu stärken, damit es gar nicht erst zu Krankheiten kommen kann. Dafür stehen der TCM fünf Säulen zur Verfügung: Akupunktur, Tuina-Massage, Qi-Gong, Ernährungslehre sowie Kräuter- und Heilpilztherapie. Neben der westlichen Schulmedizin ist TCM wohl die größte Wissenschaft im Gesundheitsbereich. TCM kann 1:1 vom Mensch aufs Tier übertragen werden. Insbesondere Akupunktur, Kräuter- und Heilpilztherapie sowie die Tuina-Massage werden sehr erfolgreich bei unseren Vierbeinern angewandt.

Die TCM kann bei sehr vielen Beschwerden eingesetzt werden. Sie kann unter anderem helfen bei:

  • Erkrankungen des Bewegungsapparates (Schmerzen, Entzündungen, Atrophien, Lahmheiten, Arthrose usw.)
  • akuten und chronischen Atemwegserkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Magen-Darm-Bereich)
  • Augen- oder Hauterkrankungen (Bindehautentzündung, Ekzem, Narbenbehandlung etc.)
  • hormonellen Störungen (z.B. Sterilität)
  • psychischen Auffälligkeiten
  • Störungen des zentralen Nervensystems
  • uvm.

Wie unterscheidet sich die TCM von der klassischen Medizin und welche Vorteile bietet sie meinem Pferd?

„Die TCM arbeitet ohne Chemiekeulen, ist eine sanfte Methode und betrachtet jedes Tier individuell. Ein Magengeschwür in der Schulmedizin ist ein Magengeschwür und wird auch so behandelt. In der TCM gibt es dafür unterschiedliche Erklärungen und Diagnosen und ebenso unterschiedliche Behandlungsansätze.

Ich beginne eine Behandlung beispielsweise immer mit einer Typbestimmung des Tieres, damit ich Ernährung, Haltung und Bewegungsplan entsprechend individuell anpassen kann. Ich schaue mir beispielsweise die Zunge an und taste die Zustimmungspunkte des Pferdes ab. Auch spreche ich mit dem Besitzer über Symptome und Vorerkrankungen und beurteile die Nutzung und Leistungsfähigkeit des Pferdes. Dann geht es weiter mit der Auswahl individuell angezeigter Akupunkturpunkte sowie den Behandlungsintervallen und je nach Bedarf der Auswahl passender Kräuter oder Heilpilze zur weiteren Unterstützung. So erstelle ich für jedes Pferd einen individuellen Behandlungsplan.“

TCM für Pferde mit Atemwegsbeschwerden

Warum ist die TCM vor allem bei Pferden mit Atemwegserkrankungen eine gute Ergänzung oder Alternative zur klassischen Schulmedizin?

„Besonders Pferde mit chronischen Atemwegserkrankungen erhalten oft regelmäßig Medikamente, welche zwar hilfreich und notwendig sind, den Körper aber auch zunehmend belasten. Die TCM kann geschädigtes Gewebe nicht mehr heilen, kann aber schmerzlindernd, entspannend, schleimlösend und stoffwechselanregend eingesetzt werden. So kann sie also für mehr Vitalität sorgen, die durch die anstrengende Bauchatmung verspannte Muskulatur lösen und zähen Schleim verflüssigen. Im besten Fall können Medikamente daraufhin reduziert oder sogar auch phasenweise ausgesetzt werden.

Chronisch erkrankte Pferde profitieren also in vielerlei Hinsicht von der TCM und gewinnen mehr Lebensqualität und Bewegungsfreude. Oft ist das auch ein Sprung aus dem Teufelskreis, da sich die Pferde wieder mehr und freier bewegen können. Als Lauftiere ist für sie die Bewegung nicht nur für die Gesundheit der Lunge essentiell, auch der Bewegungsapparat und die Psyche kommen wieder in Schwung.“

Die TCM geht davon aus, dass eine Störung im Fluss der Lebensenergie zu Krankheiten führen kann. Wie betrachtet die TCM Husten und wie wird er behandelt?

„Die TCM ordnet Erkrankungen der Atemwege dem Funktionskreis Lunge zu, welcher bildlich dargestellt der Oberfläche des Körpers zugeordnet wird. Er bildet also den Ort, der den stärksten Kontakt zur Umwelt hat. Hier wird Sauerstoff aus der Luft aufgenommen. Gleichzeitig werden aber auch Bakterien, Viren und Pilze durch das Immunsystem abgewehrt. Der Funktionskreis Lunge kommt auch als erstes in Kontakt mit klimatischen Faktoren wie Hitze und Trockenheit, Kälte und Feuchtigkeit. Ein sich im Gleichgewicht befindender Organismus mit einem starken Immunsystem kann diesen Faktoren standhalten.

Husten: ein Problem des Lungen-Qi

Aus Sicht der TCM ist Husten ein Problem des Lungen-Qi und zeigt sich dann, wenn sich das Lungen-Qi nicht mehr im Körper verteilen und nach unten zur Niere abfließen kann. Husten ist umgekehrtes Lungen-Qi, es ändert also seine natürliche Fließrichtung nach oben. Dies kann verschiedenen Ursachen haben.

Oft gelangen äußere Einflüsse (Krankheitserreger oder starke klimatische Reize) durch die Körperöffnungen Mund, Nase und Haut in die Lunge und blockieren das Lungen-Qi. Aber auch innere Störungen anderer Organe können Husten verursachen. Ist beispielsweise die Niere geschwächt, kann sie das Qi aus der Lunge nicht mehr aufnehmen und der Körper reagiert mit Husten. Auch die Milz kann die Lunge beeinträchtigen, wenn ihre Funktion eingeschränkt ist. Ihre Aufgabe ist es, Nahrung in Qi umzuwandeln. Ist die Milz geschwächt, sammeln sich Schleim und Feuchtigkeit im Körper, was wiederum die Lunge in ihrer Funktion einschränkt. Es zeigt sich also, wie eng die TCM die Beziehungen der einzelnen Organe zueinander sieht und wie wichtig ein ganzheitlicher Blick und eine individuelle Diagnose für jedes Tier ist.

Wird hier nicht korrekt behandelt, so wandert die Erkrankung weiter ins Körperinnere. Aus westlicher Sicht gesehen wird beispielsweise aus einem akuten Infekt eine chronische Bronchitis. Der Körper wird weiter geschwächt, der Energiefluss stagniert und so kann es folglich auch zur Beeinträchtigung weiterer Funktionskreise kommen.

Aus Sicht der TCM gibt es also zahlreiche Diagnosen bei Atemwegserkrankungen. Deswegen lässt sich eine Behandlung nicht generalisieren, sondern muss bei jedem Tier neu betrachtet werden. Folglich gibt es auch kein Patentrezept, welche Akupunkturpunkte zu nadeln sind oder wie oft eine Behandlung Sinn macht. Zu allererst erfolgt daher eine ausführliche Anamnese. Dabei betrachte ich das Pferd ganzheitlich. Jeder Behandlungsplan ist individuell, das macht die Arbeit für mich so spannend und abwechslungsreich.“

„Kombination aus Soleinhalation und TCM zeigt aus meiner Erfahrung einen nachhaltigen Erfolg“

Was schätzt du persönlich an der TCM und warum hast du dich entschieden, die Soleinhalation mit der TCM zu kombinieren?

„Pferde mit Atemwegsproblemen haben sehr oft eine bereits lange Krankenakte. Leider musste ich feststellen, dass in vielen Fällen die Soleinhalation zwar tolle Ergebnisse liefert, aber alleine auch noch nicht ausreicht, um wirklich dauerhaften Erfolg zu haben.

Neben optimalen Haltungs- und Fütterungsbedingungen ist die TCM eine tolle Möglichkeit, den betroffenen Pferden durch einen Energieausgleich zu mehr Gesundheit und einer höheren Leistungsbereitschaft zu verhelfen. Durch Akupunktur verbessert sich nachhaltig das Ergebnis der Inhalationstherapie. Dies kann dabei helfen, weniger Medikamente einsetzen zu müssen. Die Techniken der Traditionellen Chinesischen Medizin stärken das Immunsystem und die Abwehrkräfte und können auch sehr erfolgreich bei Allergien eingesetzt werden. COB-Patienten, die viel Schleim produzieren, diesen aber kaum mehr loswerden, hilft die TCM dabei, den Schleim zu verflüssigen. So macht zum Beispiel eine Akupunkturbehandlung im Vorfeld einer einwöchigen Inhalationskur besonders viel Sinn.

Pferdeinhalation in der mobilen Solekammer
Pferdeinhalation in der mobilen Solekammer

Optimierung von Haltung, Fütterung und Training

Wichtig ist mir in dem Zusammenhang vor allem auch die Beratung im Bereich Haltung, Fütterung und Training. Das sind drei Punkte, bei denen viele Fehler passieren können, die den Erfolg einzelner Therapiebausteine schnell wieder zunichtemachen können. Ich schaue mir also auch genau die Haltungsbedingungen an, lasse mir zeigen, was das Pferd zu fressen bekommt und schaue mir auch den Sattel und den muskulären Zustand des Pferdes an. Oft muss auch das Training angepasst werden. Pferde, die zu Verspannungen neigen, sollten auch hier angepasst gearbeitet werden. So kann ich für jedes Pferd individuell einen Behandlungsplan ausarbeiten und anpassen.

Lesetipp: COB beim Pferd: erkennen und behandeln

Die Kombination aus Soleinhalation und TCM zeigt aus meiner Erfahrung einen nachhaltigen Erfolg. Je nach Zustand des Pferdes kann vor Beginn der Inhalationstherapie auch eine Cranio Sacrale Therapie angezeigt sein. Hierbei ist es ebenfalls mein Ziel, dem Pferd wieder zu mehr Balance zu helfen und Verspannungen zu lösen. Insbesondere im Brust- und Bauchbereich finde ich oft hartnäckige Verspannungen, die sich natürlich auf die Atmung negativ auswirken, ebenso aber auch ihre Ursache in Störungen der Atemwege haben können. Hier ergänzen sich Soleinhalation, Cranio Sacrale Therapie und die Traditionelle Chinesische Medizin wunderbar.“

Vielen Dank Isabelle, dass du uns einen Einblick in deine Arbeit als Therapeutin gegeben und uns das Thema Traditionelle Chinesische Medizin und vor allem den Nutzen für Pferde mit Husten und anderen Atemwegserkrankungen nähergebracht hast!

Weitere Informationen zum Angebot von Isabelle Zimmermann und Chevalbelle finden Sie auf der Webseite https://www.chevalbelle.de/.

Hinweis zum Beitragsbild: Hierbei handelt es sich um ein von uns nachgestelltes Bild für den Text.

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