Tipps zur Haltung von atemwegserkrankten Pferden

Hauptsache staubfrei: Pferdehaltung bei Atemwegsproblemen

Die Haltungsbedingungen spielen bei Pferden mit Husten und Atemwegsbeschwerden eine wichtige Rolle. Eine dem Pferd angepasste Haltung kann prophylaktisch Atemwegserkrankungen verhindern und spielt bei der Therapie eine wichtige Rolle.

In diesem Beitrag teilen wir ein paar Punkte mit Ihnen, auf die Sie bei der Haltung von hustenden Pferden achten sollten und die Ihnen bei der Suche nach einem geeigneten Stall helfen können.

Auf die Frage, wie ein Hustenpferd am besten gehalten wird, können auch wir keine allgemeingültige Antwort geben. Bei der Entscheidung Box oder Offenstall muss auf die individuellen Bedürfnisse von Pferd und Reiter geschaut werden. Unbedingt erforderlich sind jedoch ausreichend Frischluft und ordentliche Hygiene. Manchmal sind auch Kombinationen möglich: tagsüber in der Herde auf dem Paddock und nachts in die Box.

Boxenhaltung von Hustenpferden: für ausreichend Frischluft sorgen

Ein (chronisch) hustendes Pferd sollte nach Möglichkeit nicht ausschließlich in einem reinen Boxenstall gehalten werden. Hier sind in der Regel zu viele Reize, die der empfindlichen Lunge schaden: Beim Fegen wird Staub aufgewirbelt. Das Einstreu ist häufig stark ammioniakbelastet. Und frische Luft bekommen nur die Pferde, die am Rand des Stalls ihre Box haben.

Besser wäre eine Außenbox mit permanenter Frischluftzufuhr und angeschlossenem Paddock, der dem Pferd die Wahl bietet, ob es drinnen oder draußen stehen möchte.

Hygiene ist bei Husten das A und O

Auch die Hygiene spielt eine wichtige Rolle wenn es um die Pferdehaltung bei Atemwegsproblemen geht – und zwar sowohl bei der Haltung in der Pferdebox als auch bei der Haltung im Offenstall.

Pferde bevorzugen zum Absetzen von Harn einen weichen, saugfähigen Untergrund. Auch zum Schlafen suchen sich Pferde einen weichen Liegebereich. Deswegen wird der Liegebereich der Pferde häufig zum Pferdeklo. Wird dieser Bereich nicht regelmäßig gesäubert, wird er zum Sammelbecken für Ammoniak. Ammoniak entsteht, wenn sich Kot und Harn mikrobiell zersetzen. Dies schadet den Pferden, weil es beim Einatmen bis in die Lunge vordringen kann.

Steht ein Pferd in der Box, spielt das regelmäßige Misten eine noch wichtigere Rolle. Beim Säubern der Box sollten Sie zudem darauf achten, dass nicht unnötig Staub aufgewirbelt wird.

Einstreu und Bodenbeschaffenheit beachten

Ein wichtiger Aspekt in Sachen staubfreie Pferdehaltung ist die Einstreu: Stroh staubt in der Regel mehr als Holzspäne. Eine weitere Alternative zum Einstreuen der Box oder des Offenstall kann Miscanthus sein.

Viele Pferdebesitzer denken, wenn sie ihr Pferd aus der Box nehmen und in einen Offenstall stellen, ist die Pferdehaltung staubfrei. Doch so leicht ist es leider nicht: Besteht der Paddockboden beispielsweise aus Naturboden, das heißt aus Erde, kommt es in einem trockenen Sommer leicht zur Staubentwicklung. Beim Toben oder auch beim Wälzen kann es stark stauben und die empfindliche Lunge wird gereizt.

Hier gilt es also immer zu schauen, wie die Bodenbeschaffenheit ist. Idealweise besteht der Boden des Offenstalls aus unterschiedlichen Belägen, sodass kein erhöhtes Staubrisiko entsteht, die Pferde aber dennoch eine weiche und hygienische Liegefläche haben.

Was wird gefüttert: Heu oder Heulage?

Ein wichtiger Aspekt bei der Haltung von atemwegserkrankten Pferden stellt die Frage nach dem Raufutter dar. Die reine Heufütterung ist für viele hustende Pferde nicht geeignet und verschlimmert die Symptome.

Einige Ställe bieten bedampftes Heu an. Dies ist verhältnismäßig aufwändig, da immer nur kleine Heumengen bedampft werden können. Deswegen gibt es nur wenige Ställe, die diese Serviceleistung anbieten.

Lesetipp: Was tun bei staubigem Heu

Eine gute Alternative ist Heulage. Heulage hat unter Pferdebesitzern einen schlechten Ruf genießt. Allerdings wurde in verschiedenen Studien festgesellt, dass es bei chronischen Atemwegserkrankungen eine deutliche Verbesserung gibt, wenn Pferde von Heu auf Heulage umgestellt werden. (Quelle)

Außerdem wurde aufgezeigt, dass Heulage nicht zu einer Übersäuerung des Dickdarms führt. Untersuchungen zeigen, dass für Pferde hergestellte Heulage einen ähnlichen PH-Wert aufweist, wie Heu. Lediglich Silage wie Kühe sie bekommen, hat einen deutlich anderen PH-Wert. Dr. Kai Kreling erklärt in diesem Video die Unterschiede zwischen Heu und Heulage und geht auf aktuelle Forschungsergebnisse ein: https://kaikreling.de/facebook-video-heu-oder-silage/

Ausreichend Bewegung zur Selbstreinigung der Atemwege

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Haltung atemwegserkrankter Pferde ist die Bewegung. Ausreichend Bewegung fördert die Selbstreinigung der Lunge. Neben „echtem Training“, bei dem das Pferd sein volles Lungenvolum nutzt, ist regelmäßige Bewegung vor allem bei Atemwegserkrankungen wichtig. Ein Offenstall allein ist noch kein Garant für mehr Bewegung. Hier sind spezielle Bewegungsanreize erforderliche. Am einfachsten lassen sie sich durch verschiedene Funktionsbereiche (Futter, Wasser, Schlafen) schaffen.

Lesetipp: Vom Planquadrat zum Lebensraum – Paddockgestaltung mal anders

Bei Boxenhaltung ist eine Führanlage optimal. Darin können sich die Pferde zusätzlich zum eigentlichen Training bewegen.

Das Nonplusultra: Inhalieren im Bedarfsfall

Mittlerweile gibt es immer mehr Ställe, die sich auf die Haltung atemwegserkrankter Pferde spezialisiert haben. Diese bieten ihren Einstellern die Möglichkeit zur Soleinhalation – sei es mit einer fest installierten Solekammer oder mit einem umgebauten Inhalationsanhänger. Diese Lösung ist das Nonplusultra für erkrankte Pferde.

Lesetipp: Solekammer selber bauen: Tipps und Ideen

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Hauptsache staubfrei: Pferdehaltung bei Atemwegsproblemen

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