Trageerschöpfung und Atemwegsprobleme beim Pferd

Der Zusammenhang von Trageerschöpfung und Atemwegsproblemen beim Pferd

Ein Thema, das in Reiterkreisen aktuell vielfach diskutiert wird, ist die Trageerschöpfung beim Pferd. Auch wir möchten das Thema aufgreifen, weil Trageerschöpfung nicht selten mit Atemwegsproblemen und einer eingeschränkten Lungenfunktion beim Pferd einhergeht und umgekehrt Atemwegsprobleme zu einer Trageerschöpfung führen können.

Wenn ein Pferd hustet, sind Pferdebesitzer – zu Recht – alarmiert. Doch nicht jeder Husten ist automatisch ein (schwerwiegendes) Lungen- bzw. Organproblem. Manchmal steckt auch „nur“ ein nicht optimaler Trainingszustand bzw. eine nicht optimale Körperhaltung dahinter. Wenn ein Pferd beispielsweise beim Antraben oder Angaloppieren einmal trocken hustet aber ansonsten keinerlei Nasenausfluss o.ä. zeigt, kann dieses Husten auf ein muskuläres bzw. myofasziales Thema hinweisen.

Ein Punkt, der zu Atemwegsproblemen und einer eingeschränkten Lungenfunktion führen kann, ist die Trageerschöpfung. Um den Zusammenhang von Rückenproblemen, Vorhandlastigkeit, Trageerschöpfung und Husten besser verstehen und nachvollziehen zu können, wollen wir einen kurzen Blick auf Anatomie und Biomechanik des Pferdes werfen.

Der Rumpftrageapparat des Pferdes und seine Bedeutung für das Training und die Pferdegesundheit

Wenn von Trageerschöpfung gesprochen wird, ist in erster Linie eine Schwäche des Rumpftrageapparats gemeint. Dieser setzt sich zusammen aus dem M. serratus ventralis (wichtigster Muskel) und Teilen der Brustmuskulatur.

Um die Bedeutung des Rumpftrageapparat verstehen zu können, muss man wissen, dass das Pferd keine Schlüsselbeine besitzt und die Schulterblätter nur muskulär am Rumpf befestigt sind. Das heißt: Es besteht keine knöcherne Verbindung zwischen den Vorderbeinen und der Wirbelsäule. Bei der Hinterhand sieht das anders aus, hier gibt es durch das Becken eine knöcherne Verbindung.

Damit der Rumpf (Brustkorb) nicht zwischen den Vorderbeinen absinkt, müssen die sich dort befindlichen Muskeln wahre Tragearbeit leisten – daher der Name Rumpftrageapparat.

Die Muskeln tragen aber nicht nur, sie fungieren auch als „Sprungtuch“ und Stoßdämpfer der Vorhand und schützen diese mit ihren empfindlichen Strukturen vor Überlastung. Außerdem heben sie den Brustkorb aktiv an. Sie sind somit nicht nur passiv für das Tragen zuständig.

Trageerschöpfung: Was heißt das?

Sind diese Muskeln nicht ausreichend stark und werden durch das Gewicht des Rumpfes überlastet, können sie ihre Aufgaben – den Rumpf tragen, Sprungtuch sein und den Rumpf „nach oben werfen“ sowie ihre Funktion als Stoßdämpfer – nicht mehr ordentlich ausführen. Die Vorderbeine und ihre Strukturen werden stark belastet. Der Rumpf sinkt zwischen den Schulterblättern ab, die Muskeln werden fest und verspannt.

Bei Pferden, deren Rumpftragemuskulatur zu schwach ist, passiert folgendes: Der Brustkorb sackt ab – zu sehen daran, dass der Widerrist (Dornfortsätze der Wirbelsäule) zwischen den Schulterblättern verschwindet. Das Brustbein schiebt sich vor und ist deutlich zu fühlen (und zu sehen).

Bauch und Rücken hängen und schaut man sich das Pferd von vorn an, hat man das Gefühl, der Rumpf ähnelt einer Birne. Die Pferde sehen „bauchig“ aus.

Optische Merkmale für eine Trageerschöpfung sind unter anderem:

  • Der Rücken hängt durch.
  • Die Rückenlinie steigt hinter dem Widerrist deutlich an.
  • Die Vorderbeine sehen im Vergleich zu den Hinterbeinen kürzer aus.
  • Der Unterhals ist deutlich sichtbar.
  • Ein Axthieb ist zu erkennen/es gibt keine gleichmäßige Oberlinie.

Einfluss der Trageerschöpfung auf die Atmung des Pferdes

Eine solche Körperhaltung beeinflusst nicht nur die Gesundheit der Vorderbeine und des Pferderückens, sondern auch die Atmung des Pferdes.

Zu den Atemmuskeln des Pferdes gehören das Zwerchfell, die Zwischenrippenmuskeln und die Bauchmuskeln als Atemhilfsmuskulatur.

Das Zwerchfell ist von diesen Muskeln der wichtigste Atemmuskel. Das Zwerchfell ist eine kuppelförmige Muskelschicht und trennt Brust- und Bauchhöhle. Es zieht sich vom Ende des Brustbeins, das sich etwa auf Lage des Sattelgurts befindet, bis in den Übergangsbereich Brustwirbelsäule/Lendenwirbelsäule.

Beim Einatmen zieht sich das Zwerchfell zusammen. Dadurch vergrößert sich der Brustraum, sodass die Lunge mehr Platz bekommt. Es entsteht ein Unterdruck und Luft wird in die Lunge gesaugt, die Lungenflügel dehnen sich aus. Wenn die Rippen wieder in ihrer Ausgangsposition zurückkehren, entspannt sich das Zwerchfell, wird kuppelförmig und groß und drückt die Luft aus den Lungen raus.

Sämtliche Strukturen im Pferdekörper sind über Muskelketten und Faszien miteinanderverbunden. Das Zwerchfell selbst hat beispielsweise Verbindungen zur Lunge, den Bauchmuskeln, dem Brustbein, den Rippen und sogar zu Muskeln der Hinterhand.

Sind nun ansetzende Muskeln oder Faszien fest, verklebt und verspannt, geht die Beweglichkeit des Zwerchfells verloren. Es kann sich nicht mehr in dem Maße ausdehnen, die Atmung ist beeinträchtigt. Ein festes Zwerchfell kann sich beispielsweise darin äußern, dass das Pferd beim Antraben oder Angaloppieren einmal trocken hustet.

Wenn sich nun aber der Brustkorb nicht mehr weiten kann, weil er zwischen den Schulterblättern nach unten gesackt ist, hat das unmittelbar Einfluss auf das Atemsystem des Pferdes: Die Zwischenrippenmuskeln arbeiten nicht mehr richtig und werden fest, das Zwerchfell ist in seiner Bewegung eingeschränkt, die Lungenfunktion ist beeinträchtigt.

Somit hat eine Trageerschöpfung unmittelbar auch Einfluss auf die Atemgesundheit des Pferdes. Ist die Atemleistung eingeschränkt, wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Dies ist vor allem beim Training des Pferdes ein wichtiger Aspekt: Steht dem Muskel zu wenig Sauerstoff für die aerobe Energiegewinnung zu Verfügung, muss er auf die anaerobe Weise Energie gewinnen. Dadurch steigt der Milchsäurespiegel im Muskel an und der Muskel übersäuert.

Ausführlich berichten wir über das Thema Sauerstoffversorgung und Muskelaufbau hier.

Einfluss der Atmung auf Körper und Training des Pferdes

Doch nicht nur der Trainings- und Exterieurzustand des Pferdes hat Einfluss auf die Atmung, auch die Atmung hat Einfluss auf den Trainingszustand.

Schauen wir uns noch einmal an, welche Muskeln primär an der Atmung beteiligt sind: das Zwerchfell, die Zwischenrippenmuskeln und die Bauchmuskeln.

Bei Pferden mit starken Atemwegsproblemen ist häufig eine sogenannte Dampfrinne zu sehen – hierbei handelt es sich um hypertone (verspannte) Bauchmuskeln.

Sind beispielsweise die Bauchmuskeln verspannt und können nicht mehr adäquat arbeiten, ist ein Pferd nicht mehr in der Lage sein Becken abzukippen und über den Rücken zu gehen. Dies führt langfristig zur Trageerschöpfung.

Liegen Erkrankungen der Atemwege wie Equines Asthma, COB, Allergien oder ähnliches vor und ist die Atmung per se eingeschränkt, beeinträchtigt dies das gesunderhaltene Pferdetraining: Ein übersäuerter Muskel beispielsweise, dem nicht genug Sauerstoff für seine Arbeit zur Verfügung steht, ist in seiner Dehnungsfähigkeit eingeschränkt. Dies beschränkt die Bewegungsmöglichkeiten der Muskeln erheblich. Zudem Verkleben die Faszien – auch dies hat Einfluss auf Beweglichkeit der myofaszialen Strukturen des Körpers. Daraus resultiert vermehrt Zug an den Knochen, Dauerspannung auf Gelenken und somit eine übermäßige und ungesunde Belastung der Körperstrukturen.

Zusammenhang von Husten beim Pferd und Trageerschöpfung

Wie kann ich mein Pferd unterstützen? 4 Tipps für Ihren Pferdealltag

Obwohl Ursache und Symptome gänzlich unterschiedlich sind und es für die Atem- und Lungengesundheit einen erheblichen Unterschied macht, ob es ein Organproblem oder „nur“ ein Trainingsproblem ist, ist die Folge ähnlich: Der Pferdekörper bekommt zu wenig Sauerstoff und sämtliche Stoffwechselprozesse laufen nicht mehr optimal.

Tipp 1: Muskelentspannung mit Massage und Akupressur

Auch Sie als Pferdebesitzer können Hand ans Pferd legen und Verspannungen lösen. Wie Sie dabei vorgehen, welche Griffe Sie anwenden können und worauf Sie achten sollten, können Sie hier nachlesen:

Tipp 2: Maskenlose Rauminhalation mit Tote-Meer-Salz-Sole

Hier kann die maskenlose Rauminhalation mit Tote-Meer-Salz-Sole aus verschiedenen Gründen helfen:

Bei Atemwegsbeschwerden hilft die Sole dabei, den Schleim zu verflüssigen, sodass er leichter abgehustet/nach außen transportiert werden kann.

Der Magnesiumgehalt der Sole unterstützt die Muskelentspannung. Die Pferde fangen an, tiefer durchzuatmen, die myofaszialen Strukturen bekommen wieder mehr Bewegung. So kann der Körper wieder mehr Sauerstoff aufnehmen.

Wird die Soleinhalation um Sauerstoff ergänzt, vergrößert sich dieser Effekt (ein Grund, warum unsere Standardkombination für die Inhalation aus einem Ultraschallvernebler für die Sole und einem Sauerstoffkonzentrator besteht).

Hinweis: Wenn Sie die maskenlose Soleinhalation testen möchten, finden Sie hier eine Übersicht unserer Kunden, die ihre Inhalationsanhänger und Solekammern bundesweit – und sicherlich auch in Ihrer Nähe – zur Verfügung stellen.

Tipp 3: BEMER-Decke für Entspannung und Durchblutung

Auch die BEMER-Decke kann hier gut unterstützen. Das spezielle BEMER Vet-Signal beeinflusst die Durchblutung selbst der kleinsten Blutgefäße positiv, indem es die Pumpbewegung anregt und die Mikrozirkulation verbessert. Der Körper wird besser mit allen lebenswichtigen Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Gleichzeitig wirkt BEMER auf das parasympathische Nervensystem des Pferdes ein und sorgt dafür, dass die Pferde sich entspannen – diese Entspannung überträgt sich selbstverständlich auch auf die Muskeln.

Tipp 4: Trainingsoptimierung

Ist die Trageerschöpfung Grund für Husten und Atemprobleme, hilft nur eins: Trainingsoptimierung.

Die Gangart, die den Rumpftrageapparat am besten trainiert, ist der Galopp (der im Übrigen auch dem Atemsystem gut tut, wie Sie hier lesen können). Weil der Galopp den Rumpftrageapparat aber auch am stärksten belastet, ist es sinnvoll, zunächst den Trab zu wählen.

Hilfreich ist es, das Aufbau-/Korrektur- oder Rehatraining zunächst vom Boden aus zu beginnen. Hierfür bietet sich die Longenarbeit an: Die Biegung erfordert eine Dehnung der Außenseite, was eine Dehnung der Zwischenrippenmuskeln mit sich bringt. Erfahrungsgemäß hilft dies den Pferden dabei abzuschnauben und abzuhusten.

Idealerweise findet die Longenarbeit am Kappzaum, ohne Ausbinder und mit Fokus auf Dehnungshaltung mit offenem Genickwinkel statt. Weitere Trainingstipps für Pferde mit Senkrücken und Trageerschöpfung gibt es hier.

Wenn Sie sich für das Thema maskenlose Soleinhalation für Pferde interessieren und Fragen zu unserem Angebot haben, nutzen Sie gern die Möglichkeit der Kontaktaufnahme über unser Kontaktformular oder per Telefon.

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